Workflow
18.04.26 | Robin kornemann
HACK #11 | After Effects MCP-Server
Wie wir mit einem MCP-Server für After Effects wertvolle Produktionszeit zurückgewinnen – und warum das erst der Anfang ist.
MCP – Die Türe für die KI
MCP kurz erklärt, bevor es praktisch wird
MCP steht für Model Context Protocol – ein offener Standard, der 2024 von Anthropic entwickelt und veröffentlicht wurde. Die Idee dahinter ist so simpel wie wirkungsvoll: KI-Assistenten sollen nicht länger isoliert arbeiten, sondern direkt mit anderen Programmen kommunizieren können. Nicht über Umwege, nicht durch Copy-paste, sondern durch echte, bidirektionale Verbindungen.
Konkret bedeutet das: Ein KI-Assistent kann über MCP ein externes Tool nicht nur lesen, sondern aktiv darin arbeiten – Daten abfragen, Befehle ausführen, Strukturen anlegen. Das Prinzip erinnert an eine API, ist aber deutlich zugänglicher: MCP ist darauf ausgelegt, dass sich verschiedene Anwendungen schnell und standardisiert anbinden lassen, ohne dass für jede Verbindung eine eigene Schnittstelle gebaut werden muss. Mittlerweile haben alle großen Anbieter – darunter OpenAI, Google und Microsoft – diesen Standard übernommen. Seit Ende 2025 liegt MCP unter dem Dach der Linux Foundation: herstellerneutral, offen und auf Dauer angelegt.
Für unsere Arbeit in zB. After Effects heißt das: Die KI sieht, was im Projekt steht – und kann direkt darin arbeiten. Compositions erstellen, Layer anlegen, Eigenschaften setzen. Alles über einen einfachen Dialog.
Weniger Setup. Mehr Gestaltung.
Preproduction: Notwendig, aber teuer
Bevor die ersten Keyframes gesetzt werden, steckt oft schon viel Zeit im Projekt. Als Motion Design Studio aus Berlin kennen wir das aus jeder größeren Produktion: Compositionen anlegen, Formate berechnen, Strukturen aufbauen, Render-Queues vorbereiten – all das ist handwerklich notwendig und nimmt einen wesentlichen Teil in einer Content Produktion ein. Wir haben angefangen, das zu ändern.
Use Case 1: LED-Bühnensetups in Minuten statt Stunden
Wer Motion Design für großflächige LED-Bühnen und Event-Bespielung produziert, kennt das: Pixelpitch recherchieren, Gesamtauflösung berechnen, Compositions anlegen, Formate prüfen, Skalierungen abstimmen. Für komplexe Multi-Panel-Setups kann das schnell ein paar Stunden oder mehr in Anspruch nehmen – lange bevor ein einziges Element designed wurde.
Auf Grundlage des After Effects MCP Server von Dakkshin haben wir weiter entwickelt und Arbeiten nun in einem Dialog mit der KI und AE. Wir geben der KI zB. die Bühnenparameter: Panelgröße, Anzahl, Pixelpitch, gewünschte Framerate. Sie berechnet daraus die korrekten Auflösungen und legt die entsprechenden Compositions direkt in After Effects an – benannt, strukturiert, einsatzbereit – gelernt aus unseren bisherigen Workflows. Was uns früher gut 2 Stunden gekostet hat, ist jetzt eine Frage von Minuten. Diese Zeit gehört jetzt der Animation.
Use Case 2: Layer-Strukturen, die oft sofort sitzen
Projekte mit klaren Contenthierarchien – etwa modulare Showgrafiken für Event-Bespielung – brauchen konsistente Layer-Strukturen. Gleiche Namenskonventionen, gleiche Verschachtelungslogik, gleiche Null-Objekte als Steuerschichten. Das manuell über mehrere Compositions hinweg aufzubauen, ist zeitintensiv.
Hier übernimmt die KI. Wir beschreiben die gewünschte Struktur einmal – und lassen sie systemübergreifend anlegen. Das Ergebnis schnell da, und wird dann nur noch mit Stellschrauben optimiert.
Use Case 3: Render-Queue ohne Klick-Arbeit
Output-Module konfigurieren, Render-Pfade setzen, mehrere Compositions in die Queue laden – auch das ist pure Verwaltungsarbeit. Mit einem MCP-Server lässt sich die Render-Queue direkt aus dem Gespräch mit der KI heraus befüllen: Welche Comps, welches Format, wohin. Keine vergessenen Einstellungen, kein Klickpfad durch fünf Menüebenen.
KI als Haltung
Warum das mehr ist als ein Workflow-Trick
Es geht uns nicht darum, KI als Sparwerkzeug zu positionieren. Es geht um etwas Grundlegenderes: Darum, die kreative Energie dort zu konzentrieren, wo wir es lieben sie zu nutzen. Setup-Arbeit ist notwendig – aber sie ist nicht immer das, wofür wir im Motion Design brennen.
MCP ist dabei kein Experiment mehr. Es ist eine ausgereifte Schnittstelle, die die Lücke zwischen KI-Assistenz und Fachanwendungen schließt. Wir sehen es als einen der entscheidenden Bausteine, mit dem sich Produktionspipelines zukunftsfähig aufstellen lassen. Nicht nur in After Effects, sondern in allen unseren Tools.
Und das ist erst der Anfang
Wir testen und erweitern das aktiv weiter – auf weitere Tools, weitere Workflows, weitere Stellen in unserer Motion Design Pipeline, an denen KI den Raum für Gestaltung vergrößern kann. Als DNM, einem Berliner Studio für Motion Design, Live Media und Event-Bespielung, ist das für uns keine Spielerei – sondern Haltung. Was wir dabei lernen, teilen wir hier.
